Chronik
Kleingärtnerverein Flora e.V. Hannover
Eine Geschichte von Gemeinschaft, Gartenfreude und Zusammenhalt
1927 – Die Geburtsstunde der Flora
Die Geschichte des Kleingärtnervereins Flora e.V. reicht bis in das Jahr 1927 zurück. Die Anfänge liegen jedoch noch einige Jahre früher. Als sich die Stadt Hannover nach 1924 immer weiter ausdehnte, mussten zahlreiche Kleingärtner ihre Gärten im Bereich der heutigen Gottfried-Keller-Straße aufgeben. Dort hatten sie sich einen Ort der Erholung geschaffen, an dem sie ihrem Gartenhobby nachgehen und selbst angebautes Obst und Gemüse ernten konnten. Doch die Gartenfreunde ließen sich nicht entmutigen. Sie zogen über den Mittellandkanal in das Gebiet an der Bahnstrift. Dort fanden sie Weideland und Schuttflächen vor. Aus diesem wenig einladenden Gelände entstand durch harte Arbeit, Ausdauer und gemeinschaftlichen Einsatz eine neue Gartenkolonie. Im Jahr 1927 erhielt sie den Namen „Flora “.
Mit diesem Namen brachten die Gartenfreunde ihre Liebe zu den Blumen und zur Natur zum Ausdruck. Der Anfang war alles andere als einfach. Ein großer Teil des Geländes war von Ortstein durchzogen, der mühsam entfernt werden musste.
Erst danach konnten die Gartenfreunde daran denken, ihre ersten Ernten einzufahren. Was damals mit viel persönlichem Einsatz begann, wurde zum Grundstein einer Gemeinschaft, die sich über viele Jahrzehnte hinweg weiterentwickeln sollte.
Die Jahre der politischen Veränderungen und des Krieges
Die politischen Veränderungen der folgenden Jahre machten auch vor dem Kleingartenwesen nicht halt. Während der nationalsozialistischen Herrschaft verloren die Kleingartenvereine ihre Eigenständigkeit. Der Zweite Weltkrieg hinterließ
auch auf dem Gelände der Flora deutliche Spuren. Zerstörungen, Bombentrichter und beschädigte Gartenlauben machten
einen Wiederaufbau notwendig. Doch die Gartenfreunde gaben ihre Kolonie nicht auf. Sie machten sich daran, die Schäden
zu beseitigen und die Gärten wieder herzurichten.
1945 – Ein neuer Anfang nach dem Krieg
Ein wichtiges Zeugnis der Nachkriegsgeschichte ist das Protokoll einer Besprechung vom 7. Oktober 1945 auf dem Kinderspielplatz der Kolonie Flora. Unter der Leitung des Ehrenvorsitzenden des Gesamtvereins, Heinrich Evert, blickten
die Anwesenden auf die vergangenen zwölf Jahre zurück. Die Herausforderungen waren groß. Baumaterialien waren knapp, Geld fehlte und vieles musste mit eigenen Händen geschaffen werden. Trotz dieser schwierigen Bedingungen bewiesen die Gartenfreunde, was gemeinschaftlicher Einsatz bewirken kann. Sie beseitigten Kriegsschäden, erneuerten zerstörte Lauben
und brachten die Anlage Schritt für Schritt wieder in Ordnung.
1947 – Das erste Koloniehaus entsteht
Ein besonderer Meilenstein war das Jahr 1947.
Ein lang gehegter Wunsch der Gartenfreunde ging in Erfüllung: Das erste Koloniehaus wurde fertiggestellt.
Ursprünglich war das Gebäude als Düngeschuppen vorgesehen. Facharbeiter und Vereinsmitglieder errichteten es jedoch
in gemeinschaftlicher Arbeit und ohne fremde finanzielle Mittel. Das Koloniehaus wurde zu einem wichtigen Treffpunkt.
Es stand nicht nur für die praktische Weiterentwicklung der Anlage, sondern auch für den Wunsch der Mitglieder, über die Gartenarbeit hinaus Gemeinschaft zu erleben.
1953 bis 1959 – Die Kolonie entwickelt sich weiter
Im Jahr 1953 feierte die Kolonie ihr 25-jähriges Jubiläum – ein Jahr später, als es dem Gründungsjahr nachzuerwarten gewesen wäre. 1954 übernahm Gartenfreund Walter Borns die Leitung der Kolonie. Unter seiner Verantwortung wurden
der Ausbau und die Verschönerung der Anlage weiter vorangetrieben. Ein wichtiger Fortschritt folgte 1955 mit dem Anschluss an das städtische Wassernetz. Damit wurden die Bedingungen für die Gartenbewirtschaftung deutlich verbessert.
Auch das gesellige Leben hatte einen hohen Stellenwert. Die Gartenfreunde wollten nicht nur gemeinsam arbeiten,
sondern auch miteinander feiern und Zeit verbringen. Da das erste Koloniehaus den wachsenden Bedürfnissen bald nicht mehr genügte, wurde es erweitert. Im Jahr 1959 konnte das neue Heim seiner Bestimmung übergeben werden.
In den eigenen Räumen fanden nun Vereinsfeiern und Zusammenkünfte statt. Zu den überlieferten Traditionen gehörten bereits damals die Kaffeetafel und die Männerrunde, die sich bis heute den Namen „Alte Knacker“ bewahrt hat.
1967 – Vierzig Jahre Flora
Vom 9. bis zum 12. Juni 1967 feierte die Kolonie ihr 40-jähriges Stiftungsfest.
Vier Jahrzehnte nach der Namensgebung war aus dem ursprünglich schwierigen Gelände eine gewachsene Gartenanlage geworden. Viele Hände hatten daran mitgewirkt, die Gärten zu pflegen, die Gemeinschaft zu stärken und die Anlage weiterzuentwickeln. Das Jubiläum bot Gelegenheit, auf das Erreichte zurückzublicken und die Verbundenheit der Gartenfreunde zu ihrer Flora zu feiern.
1969 bis 1974 – Veränderungen und eine neue Perspektive
Ende der 1960er-Jahre und zu Beginn der 1970er-Jahre beschäftigten sich die Verantwortlichen intensiv mit einer Sanierung der Anlage. Auf der Halbjahresversammlung am 17. Juni 1971 wurden unter Beteiligung des Ratsherrn Herbert Schmalstieg und des Vorsitzenden des Bezirksverbandes, Heinz Lagershausen, die Grundlagen für die Sanierung festgelegt.
Angestrebt wurden Gartengrößen zwischen 300 und 400 Quadratmetern. Im Herbst 1972 begannen die Veränderungen.
Alte Wege verschwanden, neue Wege und ein großer Parkplatz wurden angelegt. Außerdem fanden Gartenfreunde aus den Kolonien Renneberg und Dühlmeyer's Ruh, die ihre bisherigen Gärten aufgeben mussten, in der Flora eine neue Heimat.
Die Anlage erhielt dadurch ein verändertes Erscheinungsbild. Ende 1973 begann die Elektrifizierung. Schon bald waren sämtliche Gärten mit Strom versorgt.
Ein besonders wichtiger Schritt folgte 1974: Der damalige Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg übergab der Kolonie die Urkunden über einen Dauerpachtvertrag. Damit erhielten die Gartenfreunde eine wichtige Grundlage für die langfristige
Planung und Weiterentwicklung ihrer Anlage.
1975 bis 1977 – Ein neues Vereinsheim und das fünfzigjährige Jubiläum
Auf der Jahreshauptversammlung am 6. Dezember 1975 stimmten die Mitglieder mit großer Mehrheit für die Erweiterung
des Koloniehauses. Der Verein Spannhagen sagte finanzielle Unterstützung zu. Im Frühjahr 1976 begannen die Bauarbeiten. Zahlreiche Gartenfreunde packten mit an und leisteten ihren Beitrag zur Verwirklichung des Vorhabens.
Im Mai 1977 waren die Arbeiten abgeschlossen. Ein schmuckes, erweitertes Koloniehaus war entstanden, das den Bedürfnissen der Gemeinschaft besser entsprach.
Vom 12. bis zum 15. August 1977 feierten die Gartenfreunde das 50-jährige Stiftungsfest in und um das neue Koloniehaus.
Ein abwechslungsreiches Festprogramm machte das Jubiläum zu einem besonderen Ereignis. Fünf Jahrzehnte nach der Entstehung der Flora konnte die Gemeinschaft mit Stolz auf das Erreichte zurückblicken.
1980 und 1981 – Flora wird ein eigenständiger Verein
Ein weiterer entscheidender Abschnitt der Vereinsgeschichte begann am 20. Dezember 1980.
Auf einer Versammlung beschlossen 115 anwesende Mitglieder mit großer Mehrheit die Gründung eines eigenständigen
Vereins unter dem Namen „Kleingärtnerverein Flora e.V.“.
Einen wichtigen Anteil an dieser Entwicklung hatte Gartenfreund Gerhard Kerwin.
Zum ersten Vorsitzenden wurde Friedrich Wilhelm Ohm gewählt, der die Kolonie bereits seit 1977 geleitet hatte.
Am 27. Mai 1981 wurde die Satzung des Vereins genehmigt. Damit war Flora als eigenständiger Verein im Bezirksverband
der Kleingärtner etabliert.
Vom 26. bis zum 28. Juni 1981 fand das erste Gartenfest als Kleingärtnerverein Flora e.V. statt.
Die erste Jahreshauptversammlung des neu gegründeten Vereins wurde am 20. März 1982 abgehalten. Damit erhielt die bereits seit 1927 bestehende Gartenkolonie eine neue organisatorische Grundlage. Die lange Geschichte der Flora setzte sich nun unter dem Namen und in der Rechtsform des eigenständigen Kleingärtnervereins fort.
1983 bis 1989 – Ausbau, Vereinsleben und neue Aufgaben
Im Jahr 1983 wurde das Vereinshaus an das Abwassernetz der Stadt Hannover angeschlossen.
1984 wurde Karl-Heinz Rädecker, der Vorsitzende des Bezirksverbandes Hannover, zum Ehrenmitglied ernannt.
In den Jahren 1985 und 1986 fanden umfangreiche Umbauarbeiten im und am Vereinshaus statt.
Die Anlage wurde weiter verbessert und an die Bedürfnisse der Mitglieder angepasst.
Vom 7. bis zum 9. August 1987 feierte Flora ihr 60-jähriges Bestehen. Das Fest fand unter reger Beteiligung statt.
Auch die Kindergruppe, die sogenannten „Zwerge“, war dabei und zeigte, dass die jüngere Generation ihren Platz im Vereinsleben hatte. 1988 wurden Friedrich Wilhelm Ohm und Helmut Zempel für ihre langjährigen Verdienste um den Verein zu Ehrenmitgliedern ernannt.
Am 4. März 1989 wurde im Vereinshaus die Flora Stromgesellschaft gegründet. Friedrich Wilhelm Ohm und Helmut Zempel übernahmen deren Leitung. Die Gründung war ein weiterer Schritt in der organisatorischen und technischen Entwicklung des Vereins.
1989 bis 1997 – Eine besondere Freundschaft mit Leipzig
Im November 1989 wurde der Vorstand von Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg gefragt, ob Flora eine Partnerschaft mit einem Gartenverein aus der damaligen DDR eingehen wolle. Der Vorstand stimmte zu. Bereits im Februar 1990 reiste eine große Delegation nach Leipzig, um gemeinsam mit dem dortigen Verein Erholung Süd dessen 90-jähriges Jubiläum zu feiern. Die Gäste aus Hannover wurden in Privatquartieren untergebracht.
Vom 29. Juni bis zum 1. Juli 1990 fand das Gartenfest der Flora erstmals gemeinsam mit den Leipziger Gästen statt.
Aus diesen Begegnungen entwickelte sich eine enge Freundschaft. Mitglieder beider Vereine besuchten sich regelmäßig,
trafen sich zu verschiedenen Anlässen und hielten gemeinsame Sitzungen ab.
1992 wurde Alfred Neumann auf der Jahreshauptversammlung zum ersten Vorsitzenden gewählt.
Im selben Zeitraum wurde der Parkplatz am Vereinshaus neugestaltet.
Am 29. Januar 1994 übernahm Detlef Sasse den Vorsitz. Im März desselben Jahres wurde die Terrasse neugestaltet. Außerdem wurde das Vereinshaus, das bis dahin von Vereinsmitgliedern bewirtschaftet worden war, verpachtet.
Am 10. Juni 1995 wurde gemeinsam mit den Gästen aus Leipzig die neue Gartenfahne des Vereins eingeweiht. Die Feier fand an einem neu errichteten Fahnenmast statt. Oberbürgermeister Herbert Schmalstieg hielt die Festrede.
Am 26. August 1995 veranstaltete Flora ein Wegefest. Der Erlös kam UNICEF zugute.
Im November 1996 wurden Helmut Zempel für 50-jährige und Herbert Grube für 40-jährige Mitgliedschaft geehrt.
1997 feierte der Verein sein 70-jähriges Jubiläum gemeinsam mit dem Partnerverein aus Leipzig sowie den Nachbarvereinen Neue Hoffnung und Buchholz. Das Jubiläum stand für eine lange Entwicklung, für gewachsene Freundschaften und für die Bereitschaft, über die Grenzen der eigenen Anlage hinaus Gemeinschaft zu pflegen.
2000 – Neue Partnerschaft und Modernisierung
Im Frühjahr 2000 erhielt das Vereinsheim eine neue Heizungsanlage.
Am 25. Juni 2000 wurde im Rahmen des Gartenfestes eine weitere Partnerschaft besiegelt. Ferdinand Kreutz, der erste Vorsitzende des Kleingartenvereins „Am Schlagboom“ aus Hamburg, und Detlef Sasse, der erste Vorsitzende der Flora, unterzeichneten die entsprechende Urkunde. Damit erweiterte sich das Netzwerk freundschaftlicher Beziehungen über Hannover hinaus. Die Partnerschaften zeigten, dass Kleingärtnervereine nicht nur Orte der Gartenbewirtschaftung sind.
Sie können Menschen aus unterschiedlichen Städten zusammenbringen und gemeinsame Erfahrungen, Traditionen
und Ideen fördern.
2005 bis 2010 – Verbundenheit mit der Stadt Hannover
Im Jahr 2005 begann die Mitgliedschaft von Stephan Weil bei Flora. 2007 wurde Herbert Schmalstieg nach 30-jähriger Mitgliedschaft zum Ehrenmitglied ernannt.
2009 trat auch Oberbürgermeister Stefan Schostok dem Verein bei. 2010 folgte die Bundestagsabgeordnete Kerstin Tack.
Die Vereinsgeschichte war damit auch mit Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens verbunden, die sich für das Kleingartenwesen interessierten und an Veranstaltungen des Vereins teilnahmen.
Im Jahr 2010 übernahm Birgit Knott als erste Frau das Amt der ersten Vorsitzenden. Sie folgte auf Detlef Sasse, der den
Verein 16 Jahre lang geführt hatte und zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde. Birgit Knott setzte die langjährige Freundschaft mit dem Partnerverein aus Leipzig fort. Mit der Zeit wurden die gegenseitigen Besuche allerdings seltener, bis die Verbindung schließlich von Leipziger Seite nicht mehr aufrechterhalten wurde.
2011 – Der Hoppelweg erhält seinen Namen. Eine besondere Geschichte verbindet Flora mit dem Nachbarverein Neue Hoffnung.
Der Weg zwischen beiden Vereinen, der den Sahlkamp mit dem Mittellandkanal verbindet, wurde von den Gartenfreunden liebevoll „Hoppelweg“ genannt. Als der Weg einen offiziellen Straßennamen erhalten sollte, wurden die Vorstände beider Vereine von Stephan Weil nach einem geeigneten Namen gefragt. Für die Gartenfreunde war die Antwort klar: Der vertraute Name Hoppelweg sollte erhalten bleiben. Die Durchsetzung dieses Wunsches gestaltete sich zunächst schwierig, da bei Straßennamen häufig Namen von Persönlichkeiten bevorzugt werden. Mit Unterstützung der Vereinsmitglieder, des Bezirksrates und des Bezirksverbandes gelang es schließlich, die Stadtverwaltung zu überzeugen.
Im Jahr 2011 wurde der Hoppelweg von Stephan Weil offiziell eingeweiht. Der Name erinnert bis heute an die Verbundenheit der beiden Nachbarvereine und an die Bedeutung gemeinschaftlichen Engagements.
2012 – 85 Jahre Flora und eine große Herausforderung
Im Jahr 2012 feierte der Kleingärtnerverein Flora e.V. sein 85-jähriges Bestehen mit zahlreichen Gartenfreunden und Gästen.
Der Bezirksbürgermeister von Bothfeld-Vahrenheide, Harry Grunenberg, nahm das Jubiläum zum Anlass, ebenfalls
Mitglied bei Flora zu werden. Das Jubiläumsjahr brachte jedoch auch eine unerwartete Herausforderung mit sich.
Im Frühjahr wurde ein Wasserrohrbruch festgestellt. Vermutlich war im Winter ein Rohr geplatzt, sodass große Mengen Wasser unbemerkt ins Erdreich gelangten. Der daraus entstandene finanzielle Schaden war erheblich. Durch beharrliche Verhandlungen zwischen dem Vorstand, dem Bezirksverband und den Stadtwerken konnte er jedoch deutlich verringert werden. Der Bezirksrat Bothfeld-Vahrenheide beteiligte sich mit einer großzügigen Spende an den Kosten für die Neuverlegung des Wasserrohres. Das Ereignis zeigte erneut, wie wichtig Zusammenarbeit und Unterstützung für den Fortbestand einer Gartenanlage sind.
2013 bis 2015 – Einsatz für den Erhalt der Kleingärten
2013 wurde das Ratsmitglied Florian Spiegelhauer Mitglied bei Flora.
Im Januar 2014 wurde bekannt, dass im Rahmen eines von der Leibniz Universität Hannover erarbeiteten Kleingartenkonzepts weitreichende Veränderungen für Kleingartenanlagen am Mittellandkanal vorgesehen waren.
Nach den bekannt gewordenen Planungen sollten zahlreiche Kleingartenflächen einer Bebauung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern weichen. Für die betroffenen Gartenfreunde war dies ein Schock. Die Gärten bedeuteten für sie weit mehr als einzelne Grundstücke: Sie waren Erholungsräume, Orte der Begegnung und über viele Jahre gewachsene Lebensbereiche.
Gemeinsam mit anderen betroffenen Vereinen und dem Bezirksverband setzten sich die Gartenfreunde gegen die vorgesehenen Veränderungen ein. Unterstützung kam auch von Mitgliedern und politischen Vertretern aus Hannover. Das umstrittene Konzept wurde zunächst nicht weiterverfolgt. Die Auseinandersetzung machte deutlich, wie wichtig der Einsatz für den Erhalt des Kleingartenwesens und seiner Flächen ist. Im Jahr 2015 verstarb nach kurzer, schwerer Krankheit der Ehrenvorsitzende Detlef Sasse. Sein langjähriges Wirken hatte den Verein nachhaltig geprägt.
2017 – Neunzig Jahre Flora
2017 konnte der Kleingärtnerverein Flora e.V. auf 90 Jahre Geschichte zurückblicken. Neun Jahrzehnte zuvor hatten einige Gartenfreunde damit begonnen, aus Weideland und Schuttflächen eine Gartenkolonie zu schaffen. Aus diesen bescheidenen Anfängen war eine gewachsene Anlage mit einem eigenen Vereinsheim, gemeinschaftlichen Einrichtungen und einer langen Tradition geworden. Viele Mitglieder konnten im Laufe der Jahrzehnte für 50- und 60-jährige Mitgliedschaft geehrt werden.
Auch die Nutzung der Gärten hatte sich verändert. Während früher der Anbau von Obst und Gemüse besonders im Vordergrund stand, gewannen Erholung und Freizeitgestaltung zunehmend an Bedeutung. Die kleingärtnerische Nutzung blieb dennoch ein wesentlicher Bestandteil des Vereinslebens. Der Garten sollte weiterhin ein Ort sein, an dem Natur erlebt, Gemüse angebaut
und Wissen über Pflanzen und ihre Pflege weitergegeben wird. Das Jubiläum war Anlass, die Leistungen früherer Generationen zu würdigen und zugleich über die Zukunft der Flora nachzudenken.
2018 – Ein neuer Vorsitzender
Auf der Mitgliederversammlung im Jahr 2018 wurde Reinhard Piehl zum ersten Vorsitzenden gewählt. Er übernahm das Amt von Birgit Knott, die den Verein acht Jahre lang geführt hatte. Mit dem Wechsel begann ein neuer Abschnitt der Vereinsgeschichte. Die Aufgaben eines Kleingärtnervereins waren inzwischen vielfältiger geworden. Neben der Pflege der Anlage und der Organisation des Vereinslebens gewannen Fragen der Verwaltung, der Einhaltung der Gartenordnung, der kleingärtnerischen Nutzung und der langfristigen Sicherung der Gartenflächen zunehmend an Bedeutung.
Gleichzeitig veränderte sich die Zusammensetzung der Mitgliederschaft. Die Flora entwickelte sich zu einer vielfältigen Gemeinschaft, in der Menschen mit unterschiedlichen familiären, kulturellen und persönlichen Hintergründen zusammenkommen. Diese Vielfalt bietet Chancen für Begegnungen und gegenseitiges Lernen. Sie stellt den Verein zugleich vor die Aufgabe, gemeinsame Regeln, Verantwortung und ein aktives Miteinander zu fördern.
2020 bis 2024 – Tradition bewahren und neue Wege gehen
Wie viele Vereine stand auch die Flora in den Jahren der Corona-Pandemie vor besonderen Herausforderungen. Gemeinschaftliche Aktivitäten und persönliche Begegnungen waren zeitweise nur eingeschränkt möglich. Gerade in solchen Zeiten zeigte sich, welchen Wert ein eigener Garten besitzt. Er bietet Raum für Bewegung, Erholung, Naturerfahrung und persönliche Auszeiten. Nach und nach konnten das Vereinsleben und die gemeinschaftlichen Veranstaltungen wieder an Bedeutung gewinnen. Auch die Digitalisierung wurde für den Verein immer wichtiger. Informationen konnten zunehmend über digitale Kanäle verbreitet werden. Die Vereinswebsite entwickelte sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Mitglieder und Interessierte. Die grundlegenden Aufgaben blieben dabei unverändert: die Anlage zu erhalten, die Gartenordnung zu beachten, die kleingärtnerische Nutzung zu sichern und die Gemeinschaft zu fördern.
2025 – Gemeinschaft und Verantwortung im Mittelpunkt
Auch nach fast einem Jahrhundert bleibt das Leben in der Flora von der Bereitschaft ihrer Mitglieder abhängig, Verantwortung zu übernehmen und sich für die Gemeinschaft einzusetzen. Die Pflege der Wege und gemeinschaftlichen Flächen, die Einhaltung der Gartenordnung, die Organisation von Veranstaltungen und die Betreuung der Vereinsanlagen erfordern weiterhin viel ehrenamtliche Arbeit. Zugleich gilt es, neue Mitglieder in die Gemeinschaft einzubinden und besonders Kindern und jungen Familien die Freude am Gärtnern näherzubringen. Denn ein Kleingarten vermittelt weit mehr als Kenntnisse über Pflanzen.
Er lehrt Geduld, Verantwortung und den bewussten Umgang mit der Natur.
2026 – Flora blickt nach vorn
Im Jahr 2026 setzt der Kleingärtnerverein Flora e.V. seine lange Geschichte fort.
Seit der Namensgebung im Jahr 1927 hat sich vieles verändert. Aus dem schwierigen Gelände an der Bahnstrift ist eine gewachsene Kleingartenanlage geworden. Die Versorgung mit Wasser und Strom wurde ausgebaut, dass Vereinsheim mehrfach erweitert und modernisiert, und aus der ursprünglichen Kolonie entstand 1981 ein eigenständiger eingetragener Verein.
Viele Generationen von Gartenfreunden haben dazu beigetragen, dass die Flora bis heute besteht. Sie haben Gärten angelegt, Wege gestaltet, Gebäude errichtet, Feste organisiert, Freundschaften gepflegt und schwierige Zeiten gemeinsam bewältigt.
Die Aufgaben der Gegenwart sind andere als in den Anfangsjahren. Doch die Grundidee ist geblieben: Menschen zusammenzubringen, die Freude an der Natur haben und bereit sind, einen Teil ihrer Freizeit in die Pflege ihrer Gärten und ihrer Gemeinschaft zu investieren. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei den Kindern und jungen Familien. Bei Kinderfesten und gemeinsamen Aktivitäten können die Jüngsten erleben, wie Pflanzen wachsen, wie Obst und Gemüse entstehen und wie wertvoll ein verantwortungsvoller Umgang mit der Natur ist. Die Flora möchte auch in Zukunft ein Ort sein, an dem Menschen unterschiedlicher Generationen zusammenfinden, Erfahrungen austauschen und gemeinsam etwas schaffen.
Ein Blick zurück – und mit Zuversicht nach vorn
Die Geschichte des Kleingärtnervereins Flora e.V. ist eine Geschichte von Arbeit, Durchhaltevermögen und Gemeinschaft.
Sie begann 1927 mit Gartenfreunden, die trotz schwieriger Bedingungen nicht Aufgaben und aus einem wenig einladenden Gelände eine neue Heimat schufen. Sie führte durch Krieg und Wiederaufbau, durch Veränderungen der Anlage, durch die Gründung des eigenständigen Vereins und durch zahlreiche Herausforderungen, die nur gemeinsam bewältigt werden konnten. Die vielen Jubiläen, der Ausbau des Vereinsheims, die Partnerschaften mit anderen Gartenvereinen und der Einsatz für den Erhalt der Kleingärten zeigen, wie eng die Entwicklung von Flora mit dem Engagement ihrer Mitglieder verbunden ist.
Heute ist der Verein Teil einer langen Hannoveraner Kleingartentradition. Seine Geschichte verpflichtet dazu, das Erreichte zu bewahren und zugleich offen für neue Entwicklungen zu bleiben. Denn ein Kleingarten ist mehr als ein Stück Land.
Er ist ein Ort, an dem Natur erlebt, Wissen weitergegeben und Gemeinschaft gelebt werden kann.
Möge der Kleingärtnerverein Flora auch in Zukunft ein lebendiger Ort bleiben, an dem Menschen gemeinsam gärtnern, feiern, voneinander lernen und sich für den Erhalt unserer grünen Lebensräume einsetzen.
2027 - Der Kleingärtnerverein Flora besteht seit 100 Jahren!!
Kleingärtnerverein Flora e.V. Hannover
Seit 1927 gemeinsam gewachsen, gemeinsam verbunden, gemeinsam in die Zukunft.
